Technoseum

Nichts ist spannender als Technik. Das vermittelt das TECHNOSEUM, eines der drei großen deutschen Technikmuseen, unter anderem in seinen Experimentierfeldern, die mit zahlreichen naturwissenschaftlichen und technischen Experimenten zum interaktiven Erleben einladen.
Das Thema Arbeit spielt in der Dauerausstellung eine wichtige Rolle: Im „arbeitenden Museum“ finden verschiedene Vorführungen statt. Beginnen mit Lithografie in der Druckabteilung auf Ebene B über die Arbeit in einer Weberei oder die Papierherstellung auf Ebene C bis zur Automatischen Fertigung oder der Dampfmaschine auf Ebene F können die Besucherinnen und Besucher verschiedene historische Produktionsformen und Arbeitsbedingungen am originalen Objektensemble kennenlernen. Die museumseigene Dampflok startet ebenfalls stündlich zu Ausfahrten in den nächtlichen Museumspark.
Während der Langen Nacht steht das TECHNOSEUM im Zeichen der Sonderausstellung „Durch Nacht zum Licht? Die Geschichte der Arbeiterbewegung 1863 – 2013“. Die Ausstellung läuft seit Anfang Februar und endet am 25. August 2013. Zum 150. Jahrestag der Gründung des „Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins“ widmet das TECHNOSEUM dem Thema eine umfassende Ausstellung, die einen Überblick über die gesellschafts- und sozialpolitische Entwicklung der vergangenen 200 Jahre gibt. Die Ausstellung zeigt über 500 Exponate von mehr als 70 Leih­gebern – unter anderem Handschriften von Karl Marx, Karl Liebknechts Gehrock, den Haftbefehl gegen Erich Honecker sowie eine Guy-Fawkes-Maske der Occupy-Bewegung. Von der Druckpresse bis zum Industrieroboter kann man anhand verschiedener Maschinen und Arbeitsbedingungen nachvollziehen, wie sich die Arbeitsabläufe im Laufe der Zeit veränderten und eine organisierte Arbeiterbewegung entstand. 800 Qua­drat­meter Ausstellungsfläche geben Zeugnis der bewegten Vergangenheit der Arbeiterbewegung. Die Besucher nehmen Anteil an einer eindrucksvollen und bisweilen bedrückenden Zeitreise durch 150 Jahre Kampf um gesellschaftliche und politische Anerkennung.
Doch auch die für das TECHNOSEUM typischen Vorführungen und inter­aktiven Elemente kommen in der Sonderausstellung nicht zu kurz: Die Hand-Druckpresse Columbia erwartet die Besucherinnen und Besucher gleich zu Beginn der Ausstellung als Highlight. TECHNOscouts stehen hier bereit und demonstrieren die Arbeit eines Druckers um 1830. An interaktiven Stationen zur Pyrotechnik können Besucher ihre Geschicklichkeit testen, eine Umfrage zur Zukunft der Arbeiterbewegung bietet Aufschluss über zukünftige Entwicklungen und ein „tanzender Roboter“ der Firma ABB zeigt auf anschauliche und amüsante Weise, wie sich Produktionsbedingungen verändert haben. Als besonderes Angebot kann man selbst­gefertigte Buttons mit Motiven der Arbeiterbewegung als Andenken mit nach Hause nehmen.
Ganz der Thematik der Sonderausstellung verschrieben haben sich Bernd Köhler und sein „kleines elektronisches Weltorchester“ (ewo2) in ihrem musikalischen Beitrag zu dieser Langen Nacht. Hans Reffert, Jan Lindqvist, Laurent Leroi und Bernd Köhler, der als Sänger und Texter dieses Ensemble prägt, präsentieren das Programm „Unser die Welt – trotz alledem!“, mit dem sie die Verhältnisse zum Tanzen bringen wollen. Ewo2 stellt die Protest-Kampf-Klagelieder der Arbeiterklasse ganz neu auf, modelliert mit Einfallsreichtum und Lust am musikalischen Experiment.
Das Programm hat nichts mehr mit der üblichen Mischung aus ergreifender Arbeiterlyrik und geschrammelten Gitarrenakkorden zu tun. Wer auf diese Weise den Preis der Deutschen Schallplattenkritik verdient, ist auch in der Lage, bei den Hörern Geist und Sinne zu schärfen.
Die Arbeiterlieder von ewo2 schaffen mit rhythmischen Sequenzen, mit sezierender Schärfe und nicht zuletzt mit der Kreativität der genialen Instrumentalisten die Verbindung zur Neuzeit, machen die Lieder von damals für unsere Ohren hör- und begreifbar, ja sogar wieder mitsingbar. Das ist das tiefe Anliegen von ewo2 – die demokratischen Widerstandstraditionen im deutschen Volks- und Arbeiterlied, die durch den Faschismus gebrochen wurden, wieder freizuschaufeln, Mut zum Widerstand gegen Obrigkeiten und Machtstrukturen zu wecken, Lust auf Veränderung zu stärken. Seit rund einem Jahrzehnt widmet sich die Gruppe um Bernd Köhler der Aufarbeitung der Geschichte des politischen Liedes und speziell der Lieder, die die Arbeitswelt und ihre Kämpfe zum Thema haben – bis zu den Klassikern aus den 30er Jahren wie das „Solidaritätslied“ oder die „Ballade von Mackie Messer“.
„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“, lautet eine Zeile aus dem Lied „Bet’ und arbeit’! ruft die Welt“, die sich heute noch auf vielen Streiktransparenten findet. Geschrieben wurde es 1863 zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins.
Damit schließt sich auch der Bogen zur Ausstellung im Mannheimer TECHNO­SEUM. Bernd Köhler und die Gruppe ewo2 mit Mannheims Gitarrenlegende Hans Reffert, Jan Lindqvist mit dem feinen Gefühl für Lapsteel und elektro­nische Sounds und dem Akkordeon­virtuosen Laurent Leroi senden dazu unüberhörbare und manchmal sogar tanzbare Signale. Die Mannheimer IG-Metaller unterstützen diesen Programmpunkt.

Web: http://technoseum.de

Veranstaltungen:

  • Vorführungen in der Dauerausstellung (19 - 1.30 Uhr)
    19 – 23 Uhr: Lithografie 19.30, 20.30, 21.30, 22.30, 23.30 & 0.30 Uhr: Weberei 19 – 21.30 & 22 – 0.30 Uhr: Papierherstellung 19, 20, 21, 22, 23, 0 & 1 Uhr: Eisenbahn 19.15 – 21.45 & 22.15 – 0.45 Uhr: Automatische Fertigung 19 – 21.30 & 22 – 0 Uhr: Dampfmaschine
  • Große Bühne bei der Arbeiterkneipe (19.30, 21.20, 22.30, 0.20 Uhr)
    Bernd Köhler und ewo2